„Camouflage in the Flowerfield“

Ophelia Beckmann / Gast: Joerg Waehner
> 16. Oktober – 21. November 2026
Galerie ep.contemporary
Pohlstraße 71, 10785 Berlin

Die Künstlerin Ophelia Beckmann bewegt sich zwischen Fotografie, digitalem Arbeiten und Malerei. Neuerdings entwirft sie auch textile Objekte. Sie haben eine militärische Anmutung und nehmen die Idee der Camouflage auf, sind aber alles andere als unsichtbar. Dadurch, dass Beckmann mit Blattmustern arbeitet und reliefartige Maltechniken einsetzt – sie trägt im wahrsten Sinne des Wortes dick auf –, gibt sie dem bekannten Camouflage-Dessin einen völlig neuen Dreh.

Ophelia Beckmann und Joerg Waehner vor der Galerie am Eröffnungstag.

Camouflage bedeutet Tarnfärbung. Wir kennen das Phänomen aus der Natur, von Tieren und vom Blattwerk. Es geht um Schutz und Verschleierung. Wir kennen es aus dem Militär, auch hier wird Unsichtbarkeit angestrebt. Wir kennen es aus der Kunst, die ästhetische und politische Aspekte des Phänomens aufgreift. Wir kennen es aus der Mode, die das Prinzip der Unsichtbarkeit in sein Gegenteil verkehrt, denn hier geht es um ausschließlich um Sichtbarkeit. Das kann man als ironische Brechung bezeichnen.

Blätter-Camouflage.

Die textilen Objekte – Hosen, Jacken, Kappen – in Beckmanns Ausstellung deuten nicht nur auf militärische Einflüsse hin, sondern weisen auch Anklänge an funktionale Männer-Arbeitskleidung auf. Das zeigt sich in den kastenförmigen Silhouetten, Stehkragen und aufgesetzten Fronttaschen der Jacken. Doch im Gegensatz zur seriellen Fertigung von Militär- und Arbeitskleidung sind Beckmanns textile Objekte Unikate. Sie werden in einem aufwendigen Verfahren hergestellt, das Stoffbearbeitung, Malerei, 3-D-Druck, Fotografie und Verwendung von Klebestreifen einschließt.

Joerg Waehner begleitet Beckmanns Installation mit seinen Filmen „Einschüsse – Bullet Holes“ (2017/18) und „YUGOMANIA“ (2018). Sie laufen in Schwarz-Weiß in Endlosschleife im Hintergrund der Galerie auf einem Beamer.

Hier ein Blick in die Ausstellung.

Anzug und Kappe in Blätter-Camouflage.

Trotz der herbstlichen Farbgebung der floralen Muster, die an Blätterfall erinnern, hat die Kombination von kastig geschnittener Jacke und Hose nichts Morbides. Die rote Kappe setzt einen expressiven farblichen Kontrast.

Stoffbespannte Leinwand und Kappe in herbstlicher Farbgebung.

In Beckmanns Kappen – von ihr selbst entworfen und genäht – zeigt sich die Integration von Einflüssen aus dem Militärbereich und der Arbeitswelt deutlich.

Farbenrausch in unterschiedlichen Materialien.

Reste des verwendeten Materials zeugen vom Arbeitsprozess.

Pyramide aus abgerissenem Klebeband.

Spät am Abend. Blick von der Straße auf die Galerie.

Ophelia Beckmann verschmilzt in ihren Arbeiten bildende Kunst und Modedesign, und ihre textilen Objekte sind sogar tragbar. Ich traf sie unlängst auf der Straße. Sie trug eine Jacke, die in der Ausstellung zu sehen ist. Das sah gut aus.

 

Alle Fotos © Rose Wagner.
Titelfoto: Bild, Textil-Detail, Ophelia Beckmann, 2026.