Während sich Berliner Senat, German Fashion Council, Konfektionsunternehmen, aufstrebende und etablierte Designer, Models und Event-Manager auf die „Berlin Fashion Week“ vom 30. Januar bis 02. Februar 2026 vorbereiten, schauen wir uns draußen um. Wir sehen: Originelles, Abgerissenes, Cooles, Heiteres, alltagstauglich Normales und Menschen mit guter Laune. Auch die gibt es in Berlin.

Hier zeigt sich eine Ausnahme von den im Berliner Winter allgegenwärtigen, langweiligen dunklen Steppmänteln, von denen manche an wattierte Schlafsäcke denken lassen. Bei dieser Lady ist alles anders! Sie lächelt, sie besteigt unbekümmert die U-Bahn im hellen Lammfellmantel – modisch Shearling genannt – und zeigt Shaun das Schaf vor, das ihr als Rucksack freundliche Dienste leistet. Solche Begegnungen hat man gerne.

Rosa und schwarz, eine farblich gelungene Kombination, wenn man so jung ist. Zur Wintermütze – aus Shearling? Kunstfell? Fleece? – à la russische Ushanka, die schon wegen der heiteren Farbe und der Bommel ganz und gar unmilitärisch wirkt, trägt unser Protagonist eine schwarze Hose mit weitem Bein und zurückhaltender, gleichwohl glitzernder Verzierung. Eine kurze schwarze Daunenjacke komplettiert den Look, der in seiner Gesamtheit locker geräumig, aber nicht wuchtig wirkt. Die lustige Mütze verhindert eine mögliche Schwere.

Dieser Style regt zu Fragen an. Zweifellos ist er originell. Liegt hier eine bewusste Entscheidung vor? Ist er der Not geschuldet? Der junge Mann präsentiert sich bereitwillig, leider verhindern Verständigungsprobleme eine Erhellung. Der Schottenrock ist selbst in Berlin bei einem Mann definitv modemutig. Die Ushanka ist vielleicht sogar ein Originalmodell. Bis vor einigen Jahren wurde diese Art von Militärmützen en masse am Checkpoint Charlie – laut Tagesspiegel Berlins „touristischer Sektor“ – feilgeboten. Alte Westberliner könnte dieser Look an den Fernseh-Mehrteiler „Soweit die Füße tragen“ aus dem Jahr 1959 erinnern. Nur ein Heimkehrer-Rucksack fehlt noch. Die lilafarbenen Jeans und die Sneakers sprechen allerdings die Modesprache der Gegenwart. Was auch immer hinter dieser Gewandung stecken mag, sie passt zu Berlin, und der junge Mann trägt sie mit Charme.

Wie sich die großen Streetstyle-Marken den Berliner Alltagslook vorstellen, ist überall – oder vielleicht (hoffentlich!) doch nicht überall – im Straßenbild zu sehen.

Foto © Monika Tänzer.
Noch kann von allgegenwärtiger Uniformierung nicht die Rede sein, wie dieses Foto, aufgenommen im Bezirk Prenzlauer Berg, belegt.
Wir sind gespannt auf die kommende „Berlin Fashion Week“. Nimmt sie Anregungen von der Straße auf? Bringt sie Neues? Wir werden sehen.
Titelfoto © Monika Tänzer.
Alle Fotos (soweit nicht anders vermerkt) © Rose Wagner.
