Alexandra Hopf: Die Bauern 1927 (nach Malewitsch)
> 23. November – 05. Dezember 2025
Kastanienallee 40, 10119 Berlin
geöffnet Donnerstag bis Sonntag 12.00 bis 19:00 Uhr

 

Vier ‘Kleidungsstücke’, metallisch schimmernd und mit klaren geometrischen Konturen, stehen nebeneinander auf stählernen Ständern an der Rückwand des kleinen dunklen Raumes. Sind das Bühnenkostüme? Entwürfe eines sich avantgardistisch gerierenden Modedesigners?

Die Künstlerin und ihr Werk. Foto © Rose Wagner.

Nein! Tatsächlich handelt es sich um eine Installation der Künstlerin Alexandra Hopf. Ihr Textil-Arrangement ist vierzehn Tage lang im Pop-up-Ausstellungsraum SH()P in Prenzlauer Berg aufgebaut. Hopf bezieht sich mit ihrem Werk auf Arbeiten von Kasimir Malewitsch, 1879 in Kiew geboren, 1939 in Leningrad gestorben. Malewitsch hat also sowohl die Oktoberrevolution als auch die postrevolutionäre Phase der sowjetischen Kunst miterlebt.

In den späten 1920er- und frühen 1930er-Jahren schuf er Bilder von Bauern in blockhaften Kleidern (verfremdete Bauern-Trachten-Kittel?). Es war die Zeit der stalinistischen Zwangskollektivierung und forcierter Industrialisierung. Die Auswirkungen auf die Bevölkerung waren hart und die Opferzahlen hoch. Das war jedoch nicht Gegenstand von Malewitsch’ künstlerischem Werk, jedenfalls kein erklärter und wahrnehmbarer. Das ist der historische und kunstgeschichtliche Hintergrund, vor dem Hopf uns ihre Installation „Die Bauern 1927 (nach Malewitsch)“ vor Augen treten lässt.

Blick in den Ausstellungsraum. Foto © Alexandra Hopf.

Auf der Informationstafel im Ausstellungsraum wird zu Malewitsch’ Bauernbilder-Zyklus vermerkt, sie „verkörpern den Übergang vom Menschlichen ins Mechanische“. Auch in Hopfs’ Installation bricht sich etwas Technisches und Mechanisches Bahn. Das liegt nicht nur an den blockhaften Silhouetten der Textilien, sondern auch – wenn nicht sogar vorrangig – an dem retro-reflektiven Stoff, eine textile Kreation eigenen Rechts.

Ausstellung: Garnrolle mit reflektierendem Faden. Foto © Alexandra Hopf.

Die Materialherstellung erfolgte in aufwendiger Handarbeit und mittels Einsatzes eines speziellen Siebdruckverfahrens. Der schimmernde Glanz auf den ‘Kleidungsstücken’ lässt sie fast immateriell erscheinen.

Die unsichtbare, professionelle Lichttechnik im schwarzgestrichenen Ausstellungsraum – mit den Maßen des Kinderzimmers in einer Standard-Dreiraumwohnung – verstärkt den metallischen, künstlichen Effekt des Materials.

Mit „Die Bauern 1927 (nach Malewitsch)“ bleibt Alexandra Hopf ihrer Liebe zum russischen Konstruktivismus treu.  Sie befasste sich bereits mit Textil-Entwürfen von Wladimir Tatlin, Alexander Rodtschenko sowie Warwara Stepanowa. Viele ihrer Installationen waren in Berlin zu sehen. Der Künstlerin geht es um mehr als das rein Textile. In „Die Bauern 1927 (nach Malewitsch)“ imaginiert sie eine Zusammenarbeit des Malers mit seinem Zeitgenossen Bertolt Brecht (1898-1956) im Berlin des Jahres 1927. Der Titel von Hopfs’ Installation bezieht sich auch auf ein – ebenfalls fiktives – Theaterstück. Das Programmheft kann in der Ausstellung im SH()P käuflich erworben werden. Es enthält historische Quellentexte, Abbildungen von Kostümen und ein Schnittmuster.

Blick in die Ausstellung: Programmhefte, Info-Tafel, Garnrolle. Foto © Alexandra Hopf.

Als performativer Bestandteil der Ausstellung erfolgte am 29.11.2025 eine szenische Lesung auf Grundlage des fiktiven Theaterstücks mit Hopf und der Schauspielerin Lisa-Katrina Mayer. Dabei, so ist auf der Infotafel zu lesen, „erscheint auch die sogenannte ‘vierte Wand’ – die Grenze zwischen Bühne und Publikum – und wartet auf ihren Durchbruch“.

Die Künstlerinnen Hopf und Mayer, Nadelstreifenensemble Rodschenko, Vapes. Foto © Alexandra Hopf.

Am Eröffnungsabend am 23. November war diese Grenze kaum wahrnehmbar.  Die Besucher drängten sich. Es wurde eng. Draußen war es kalt. Aber in einer gutgelaunten Gruppe lässt es sich auf der Shopping- und Szenemeile Kastanienallee aushalten − wenn man warm eingepackt ist und heißer Glühwein in kalten Gläsern zumindest die Hände wärmt.

Besucher der Vernissage vor dem Ausstellungsraum in der Kastanienallee. Foto © Monika Tänzer.

Titelfoto: Installation von Alexandra Hopf. Foto © Rose Wagner.