Leipzig hat nicht gerade den Ruf einer Modestadt, doch mittlerweile geht es auf der Straße recht bunt zu, und oft sind Accessoires der Schlüssel zu einem besonderen Look. Das zeigt sich aufs Heiterste auf dem Weihnachtsmarkt der alten Handels- und Messestadt.

Vom Vormittag bis zum Abend zieht der Weihnachtsmarkt die Menschen an. Dabei ist der Rucksack für viele nicht nur ein modisches Accessoire, sondern eine unverzichtbare Transportbox.

Wenn man viele Mitbringsel einkaufen will, empfiehlt sich ein geräumiges Modell à la Reiserucksack, wie auf dem Foto oben zu sehen.

Die in der DDR weitverbreiteten praktischen Dederon-Einkaufsbeutel sind heute fast ganz aus dem Stadtbild verschwunden. Einige Exemplare werden sicherlich im Stadtgeschichtlichen Museum für die Nachwelt aufbewahrt. Aber natürlich sind Einkaufsbeutel weiterhin im Einsatz, zweckmäßig und nachhaltig wie sie sind. Heute werden sie meist aus festerem Material hergestellt als zur DDR-Zeit, sind vielfältiger und heißen Shopper.

Die beiden Weihnachtsmarktbesucherinnen auf dem Foto oben kombinieren ihre Shopper mit City-Rucksäcken. Die farbliche Abstimmung ist  gelungen.

Wenn das nicht stylisch ist! Leo-Print-Flauschjacke, Fold-Top-Rucksack und farblich abgestimmtes Haarband. Auch hier zeigt sich, wie nützlich Rucksäcke sein können. Die Hände bleiben frei für das wirklich Wichtige.

Dieser Gesamt-Look ist umwerfend: grauer Tweed in Fischgrätmuster mit rosa Pelzimitat (eigentlich ein hässliches Wort für diesen zarten Flausch), dazu Rucksack aus changierendem Material, Sneakers mit pinkfarbenen Streifen.

Natürlich sind in der Leipziger Innenstadt auch viele Studenten unterwegs. Die Universität – gegründet 1409 und nach Heidelberg (1386) die zweitälteste in Deutschland – liegt im Stadtzentrum. Der Weihnachtsmarkt umrundet die Uni geradezu.

Es gibt Studenten, die bewusst auf den ansonsten in diesem Geistesmilieu ubiquitären Rucksack verzichten und stattdessen etwas vergleichbar Funktionales, aber Ungewöhnlicheres wählen.

Der Student auf dem Foto – Französisch und Spanisch auf Lehramt – hat sich für eine Fred-Perry-Sporttasche entschieden. Eine Verbeugung vor dem Kleidungsstil der englischen Mods (modebewusste jugendliche Subkultur) in den 1960er-Jahren.

Hier ist jemand mit Stilbewusstsein unterwegs.

Stilbewusst ist auch dieser Student auf dem Bild oben. Der lässige Rolltop-Rucksack ist farblich auf das sonstige Outfit abgestimmt. Vielleicht trotzdem ein BWL-Student?

„Paulinerkirche“, links die Aula.

Es lohnt sich, beim Stadtbummel einmal den Neubau der Aula am Augustusplatz zu betreten. Er wurde zum 600. Geburtstag der Universität im Jahr 2009 anstelle der ehemaligen Universitätskirche St. Paul errichtet, die 1968 auf Veranlassung der SED einer Sprengung zum Opfer fiel. In der „Paulinerkirche“ befanden sich zahlreiche Grabmale und Epitaphien von Universitätsangehörigen, also auch von Studenten. Einige Grabplatten konnten gerettet werden und befinden sich nun – nach umfassender Restaurierung – in einem abgetrennten Teil der Aula.

Restaurierte Grabplatten.

Diese Grabplatten aus dem sechzehnten und siebzehnten Jahrhundert sind in vielerlei Hinsicht bemerkenswert, nicht zuletzt im Hinblick auf die Kleidermode und Accessoires der Studenten.

Das Bild oben zeigt den in Sandstein verewigten Studenten Johannes von Berlepsch (1601-1618). Bereits eine Woche nach seiner Immatrikulation an der Universität Leipzig starb er an Typhus. Er wurde nur 17 Jahre alt.

Gekleidet ist er nach der zeremoniellen spanischen Weltmode. Kaum vorstellbar, dass er tatsächlich in einem solchen Aufzug im Universitäts-Alltag herumspazierte. Doch seine hochmodische Gewandung vermittelt eine Ahnung davon, welcher Aufwand im frühen siebzehnten Jahrhundert betrieben wurde, vor allem, wenn jemand, wie Johannes, von adliger Herkunft war. Sein wichtigstes Accessoire war der Degen.

Seine Seidenstrümpfe wurden mit gestickten Bändern gehalten, die Absatzschuhe waren mit Schmuck besetzt.

Wie schlicht, unaufwendig und erschwinglich – jedenfalls meistens – ist dagegen das heutige Standard-Studenten-Outfit mit Sneakers und Jeans.

Accessoires bringen Farbe und Abwechslung in die allgegenwärtige Uniformität. Auf dem Foto oben ist ein Dederon-ähnlicher, waschmaschinen-geeigneter Beutel zu sehen, in frischem Türkis-Grün. Der einem Turnbeutel ähnliche Rucksack links und die in der Form einem Streichinstrument nachempfundene Umhängetasche rechts könnten auf Individualität hindeuten.

Selbst ein Student aus Connewitz – laut TAZ Leipzigs „linkes Pflaster“ – kommt nicht ohne Beutel aus. Ein Rucksack würde die Polit-Botschaften auf seiner selbst gestylten Jacke verbergen: „Fck AFD“ und  – unter dem roten Beutel – „Eat the Rich“. Alles klar!

Zum Schluss noch ein Blick auf das Leipziger Riesenrad und in die Zukunft, hier in Form eines modischen grauen Mantels mit einer Kapuze, die den Aufdruck trägt: „The Future Dream“.

 

Titelfoto: Blick vom Augustusplatz auf Universität, „Paulinerkirche“ und City-Hochhaus.
Alle Fotos © Rose Wagner.