Die Maschen der Dichterin

Die Maschen der Dichterin

von Rose Wagner

Buchbesprechung:
Nora Gomringer: Moden.
Dresden und Leipzig, Verlag Voland & Quist.
Mit Illustrationen von Reimar Limmer. 56 Seiten, 1 CD.

Eine Clutch ist eine „Tasche, die keine Form hat, außer die eines unbestimmten, / viel zu großen Briefes“ diagnostiziert das lyrische Ich im Gedicht „Clutch“. Die Kuverttasche „begleitet Frauen in den Ausgang. / Nicht eine könnte alles, / was sie möchte, darin unterbringen“.

Genauso ist es. Man sieht förmlich vor sich, wie Haustürschlüssel, Lippenstift, Taschentuch und Handy in die viel zu kleine Tasche hineingepresst werden. „Nicht eine Frau hat diese Tasche / auf Anhieb je geschlossen“.

Clutches sind in Mode. … mehr lesen

Mehr oder weniger kleidsam

Mehr oder weniger kleidsam

von Rose Wagner

Buchbesprechung:
Annette Hülsenbeck:  (Hg.): Die Kleider meines Lebens: Erzählungen von Margaret Atwood bis Virginia Woolf
Berlin, Ebersbach & Simon, Edition Blue Notes, Bd. 67, 2017. 140 S.

In Margaret Atwoods Geschichte Haar-Andenken trägt die Ich-Erzählerin viel zu große und zu formlose Kleider. Wenn sie sich überhaupt etwas Neues kauft, dann im Warenhaus Filene in Boston, wo es an Ausverkaufstagen im Untergeschoss hoch hergeht, wenn „zerrissene und angestaubte Modellkleider“ zu Schleuderpreisen verramscht werden. Der ganze Keller ist „muffig vom Geruch beklommener Achselhöhlen und gequälter Füße“, und weil es für die vielen „gierigen“ Frauen zu wenige Kabinen gibt, probieren sie die Ramschkleider gleich auf den Gängen an (S. 91). … mehr lesen

Hand oder Maschine oder beides?

Hand oder Maschine oder beides?

von Rose Wagner

Ausstellung:
Manus X Machina. Fashion in an Age of Technology
New York > 05. 05. – 05. 09. 2016, The Metropolitan Museum of Art

Buchbesprechung:
Bolton, Andrew: Manus X Machina. Fashion in an Age of Technology. Fotos von Nicholas Alan Cope. Ausstellungskatalog The Metropolitan Museum of Art, New York. New Haven u. London, Yale University Press, 2016

In der Ausstellung Manus X Machina, die bis zum 05. September 2016 im Metropolitan Museum of Art (MET) in New York läuft, ist atemberaubend Schönes, handwerklich Perfektes, modernistisch Kühles und nostalgisch Opulentes zu sehen. Es geht um die Techniken bei der Herstellung hochwertiger Mode – Hand, Maschine und eine Symbiose aus beidem – und die Relevanz der anhaltenden Trennung zwischen Haute Couture und Prêt-à-porter. Wer nicht die Möglichkeit hat, die Ausstellung zu besuchen, dem bleibt als Trost der Katalog. … mehr lesen

Textiles Reden

Textiles Reden

von Rose Wagner

Buchbesprechung:
Schnatmeyer, Susanne: Verflixt und Zugenäht. Textile Redewendungen gesammelt und erklärt.

Berlin, Edition Textile Geschichten, 2. Auflage 2016.

 

Worauf verweist die Bezeichnung alter Knacker? Auf einen alten Mann, der in der Spinnstube das gesponnene Garn auf die Knackhaspel wickelte, die nach einer bestimmten Anzahl von Umdrehungen ein knackendes Geräusch machte? Oder war jemand gemeint, dessen alte Knochen hörbar knackten? … mehr lesen

Aus für die deutsche Herrenbekleidungsindustrie

Aus für die deutsche Herrenbekleidungsindustrie

von Rose Wagner

Buchbesprechung:
Vordemfelde, Karl-Wilhelm: Aufstieg und Niedergang der deutschen Herrenbekleidungsindustrie. Ein Rückblick auf Herrenmode aus Deutschland im 20. Jahrhundert. Frankfurt am Main, Deutscher Fachbuchverlag, 2015.

Die serielle Produktion von Herrenbekleidung blickt auf eine lange und erfolgreiche Geschichte zurück. Doch heute ist sie eine Industrie ohne Produktion in Deutschland. Wie es zu diesem Niedergang kam und welche Faktoren dafür verantwortlich sind, beschreibt Karl-Wilhelm Vordemfelde in seinem Buch. … mehr lesen

Eine modische Schlacht

Eine modische Schlacht

von Rose Wagner

Buchbesprechung:
Givhan, Robin: The Battle of Versailles. The Night American Fashion Stumbled Into the Spotlight and Made History. New York, N.Y., Flatiron Books, 2015

Kann ein singuläres Ereignis den Verlauf der Modegeschichte entscheidend beeinflussen? Ja, behauptet die Modejournalistin Robin Givhan und verweist auf den 8. November 1973. An diesem Tag wurde im Theatersaal des Schlosses von Versailles die Vorherrschaft der französischen Mode gebrochen und die amerikanische schob sich mit einem Paukenschlag auf die Weltbühne.  Sie präsentierte sich als unverwechselbar und zeitgemäß. … mehr lesen

Späte Tage ohne Mode?

Späte Tage ohne Mode?

von Rose Wagner

Hannelore Schlaffer: Alle meine Kleider
Lesung und Gespräch
Literaturhaus Stuttgart
Stuttgart > 22.10.15, 20:00 Uhr

Es gab Zeiten, da war das Sichkleiden für sie Schöpfungsakt und intellektuelle Anstrengung. Hannelore Schlaffer war eine Galionsfigur des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes (SDS), und die Mode war für sie ein Mittel der Kommunikation, mit dem politische Haltungen ausgedrückt werden konnten. Eine Unterwerfung unter das gängige Modeangebot wäre für sie dem Kniefall vor Konsumdiktat und Kapitalismus gleichgekommen, also wählte sie Rebellion und Überbietung. Das hieß: kürzeste Röcke, Hotpants, Plateau-Sohlen und Lackleder. Zur Zeit der Studentenbewegung hatte die Mode noch politische Relevanz, heute reagiert keiner mehr auf uns, sagt Hannelore Schlaffer. Sie klingt wehmütig.

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Mode im Ersten Weltkrieg: Dynamik und Modernität

von Rose Wagner

Buchbesprechung:
Krieg und Kleider: Mode und Grafik zur Zeit des Ersten Weltkriegs 1914-1918.
Für die Kunstbibliothek, Staatliche Museen zu Berlin, hrsg. von Adelheid Rasche. Leipzig: Seemann, 2014

 

Der Erste Weltkrieg bedeutete auch in modischer Hinsicht eine Zäsur. Der massenhafte Eintritt von Frauen in die Arbeitswelt blieb nicht ohne Einfluss auf Lebensstil und Kleidung. Die Frauenkleidung wurde radikal modern, und es zeigte sich, dass Mode – bei anhaltender stilistischer Vorherrschaft von Paris – auch in Kriegszeiten länderübergreifend war. Nationalistische Parolen wie „Los von Paris“ und die Propagierung einer „deutschen Mode“ blieben ohne Widerhall. … mehr lesen

Die Modekünstlerin

Die Modekünstlerin

von Rose Wagner

Am Schluss ihrer Autobiografie verkündet Elsa Schiaparelli das Gebot: „Passen Sie niemals das Kleid dem Körper an, trainieren Sie den Körper, um dem Kleid gerecht zu werden“. Für sie waren – vor allem die von ihr selbst entworfenen – Kleider unveränderliche Kunstwerke.  … mehr lesen

Märchenkleider – Teil 3

Märchenkleider – Teil 3

von Rose Wagner

Ausstellung „Cinderella“
Disney und Swarovski
Berlin, Heizkraftwerk Mitte
> 14. – 15.02.2015

 

Anders als in den alten Märchenfilmen trägt die neue Cinderella (Lily James) im Disney-Film keinen schmutzigen alten Kittel bei der Arbeit, sondern ein frisches Kleid aus leichter Baumwolle. Es ist schlicht, mädchenhaft und züchtig, dabei durchaus körperbetont. Den angekrausten Rock ziert ein sparsames Blumenmuster. Wegen seiner Unkompliziertheit ist dieses Kleid funktional und für die Arbeit im Haus und am Herd geeignet. … mehr lesen